Wow, hier in den USA passiert so viel, dass ich mit dem schreiben gar nicht hinterherkomme. Daher werde ich jetzt einiges überspringen. Es sind zwar so viel tolle Dinge passiert, doch leider auch sehr traurige, ja gar zertrümmernde. Von denen werde ich jetzt erzählen, denn ich sage euch ein Jahr in den USA ist einfach geil, doch nie ist alles perfekt.
Doch lasst uns doch erst einmal mit etwas gutem anfangen. Letztes Wochenende (ja ich weiß, dass ist jetzt ein sehr großer Zeitsprung vom letzten Bericht) waren wir in Green Bay. Falls jemand nicht weiß was das ist, was ich jetzt einmal von fast jedem annehme, Green Bay ist eine etwas größere (120.000 Einwohner) Stadt am Lake Michigan und hat ein renommiertes NFL Team namens Green Bay Packers. Nun ja, es war das erste mal seit meiner Ankunft in Chicago, dass ich in einer so großen Stadt war.^^
Jetzt fragen sich natürlich alle: „Und was hast du da jetzt gemacht?“ Ich war auf der Youth Convention. Das hat jetzt geholfen.^^ Um euch jetzt mal ans Licht zu führen, die Youth Convention ist ein großes Treffen von Jugendlichen Protestanten (Christen). „Bah, das war doch bestimmt langweilig.“, werden jetzt einige von euch sagen. Von wegen! Kirche ist hier was ganz anderes als in Deutschland. Ich sage euch es war pures Vergnügen. 3 Tage Christian Indie Rock pur. Und einen Pastor, da könnt ihr euch kaputt lachen. Christ sein ist cool, zumindest in den USA, denn hier gilt das Motto, bist du kein Christ bist du nix. Du solltest zumindest ein wenig über Jesus und Gott bescheid wissen, denn irgendwann wirst du in den USA damit konfrontiert (normalerweise).
Ich hatte das Pech (ich glaube eher das Glück?) in eine äußerst christliche Familie zu kommen. Das heißt jetzt aber nicht, dass die alle so total verblendet sind. Mein Gastvater liebt Deutschland und deutsches Bier. Deutsche sind hier cool und jeder will mir hier zeigen, dass er deutsch sprechen kann. Ich sage euch, das ist manchmal so lustig. Was die Politik angeht, solltet ihr doch lieber still sein, wenn ihr nichts darüber wisst, denn da sind die Amerikaner etwas seltsam. Mein Gastvater hat Clinton nicht gemocht, weil dieser nicht christlich genug war und Bush gewählt, weil dieser christlicher war als Al Gore, was ich persönlich bezweifle. Ich möchte jetzt nicht weiter darüber sprechen, ich will nur sagen, lasst euch nicht zu sehr von der Meinung der Amerikaner beeinflussen, sie sind in der Politik nicht so gut gebildet.
Nach dieser Exkursion, gehen wir zurück nach Green Bay. Wie gesagt, wir haben drei Tage und drei Nächte lang gerockt und gefeiert. Am Samstag haben wir Basketball gespielt, mussten aber einsehen, dass die Schwarzen um einiges besser als wir waren. Was sonst? Ach ja, am Sonntag waren wir essen. Ich sage euch perfekt. Old Countries Buffet. Einmal 10.97 $ bezahlen und dann so viel essen wie nur geht. Was ich an dem Tag gegessen habe, würde mich in Deutschland 50 € kosten. Dann war das Wochenende auch schon fast vorüber.
Fast und jetzt kommt eine sehr schockierende Geschichte, sehr traurig, eine Tragödie. Also genießt noch einmal die letzten Absätze, denn das ist jetzt sehr harte Kost, vor allem für mich.
Als wir am Sonntag Abend in der Kirche ankamen waren wir sehr müde, ich schlief auf der Bank. Nach der Kirche kam eine Bekannte von meiner Gastfamilie und erzählte mir dies.
Am Sonntag morgen um 3.00 Uhr ist bei einem Autounfall eine unserer Klassenkameradinnen ums Leben gekommen. Sie war die Fahrerin und nicht angeschnallt, wahrscheinlich etwas angetrunken (das weiß ich aber nicht). Auf dem Weg mit zwei Freundinnen ist ihr Auto auf glatter Fahrstrecke außer Kontrolle gekommen und umgestürzt. Bei dem Aufprall muss sie ihr Genick gebrochen haben. Die beiden anderen Mädchen wurden nur leicht verletzt (zumindest äußerlich.
Diese Woche war damit keine normale Woche an der Schule. Am Montag kein Unterricht, nur Trauer und viele Tränen. Ja es war sehr tragisch. Mitten in ihrem Leben. Sie war so nett und aktiv. Und plötzlich … war sie weg. Es ist sehr schwer zu begreifen, dass du sie nie mehr wieder siehst. Ein kalter Schauer läuft mir gerade über den Rücken, wenn ich schreibe. Ich kann nicht oft genug sagen wie hart es für uns Schüler war. Besonders für ihren Freund.
Am Dienstag versuchten wir wieder in den Schulalltag zurückzufinden, doch keine Chance, die Mädchen hängen nur herum, machen nichts. Die Band ist leise wie noch nie. Beim Volleyball fangen die Mädchen an wieder zu weinen (sie war eine Volleyballerin). Ja, nichts war normal.
Dann am Mittwoch (gestern), ich hatte die ganze Sache schon lange hinter mir (dachte ich), hoffte ich auf einen normalen Schultag. Wie immer ging ich in Eile (eine Minute vor Unterrichtsbeginn) aus dem Haus. Ich erwartete, dass ich zu spät war, doch dem war nicht so. Ich war der erste und der einzige aus meiner Klasse, genauso war es mit Robert. Niemand wusste genau wo sie waren, doch jeder dachte sich, dass sie die Trauerfeier vorbereiten. Ausgerechnet an Halloween war ihre Bestattung. Als erstes in der Kirche, wo ich zum ersten mal ihre Eltern und ihren Bruder sah. Dort waren sie alle, Verwandte, Bekannte, Freunde von der Familie, von ihr, von ihrem Bruder. Ja sogar die Freunde der Freunde und die Freunde der Verwandten und Bekannten kamen. Von überall her kamen sie, aus einem Umkreis von etwa 50-60 km. Ja, dies zeigt wie beliebt sie wahr. Und wenn es Himmel und Hölle gibt, dann sage ich euch eins, sie kommt mit 100%er Sicherheit in den Himmel. Damit ist auch dieser Tag ein Tag der Trauer.
Heute, kann ich mit Glück sagen, war alles normal. Der Schulalltag hat sich wieder in der Schule etabliert und es geht weiter ohne Jess (Jessica) Lynn Warren. Das Leben ist hart, doch das zeigt, wie plötzlich jemand aus deinem Leben ausradiert werden kann. Es geht weiter, sie würde es bestimmt nicht gewollt haben, dass wir noch länger um sie trauern. Also sind wir Glücklich, so gut wie es halt geht. Mit Gott, zumindest in den USA.
Es ist nie falsch an Gott zu glauben, denn wenn es ihn gibt ist es gut für dich und wenn nicht schadet es dir nicht, nein es hilft dir sogar, denn wenn du die Wörter der Bibel verstehst und denen vertraust bist du vielleicht ein nicht zu gebildeter aber auf jeden Fall ein guter Mensch.
Ein Jahr bin ich Christ, ein Jahr. Es ist einfacher für mich und für alle anderen.
11/01/2007
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